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Einen Dolmetscher im Ohr

Vor einigen Woche schloss die Internationale Funkausstellung (CES) 2018 in Las Vegas ihre Türen. Mehr als 3.900 Aussteller präsentierten auf der größten Technologiemesse des Jahres die Welttrends im Bereich Innovation. Besonders beeindruckt hat uns die Entwicklung der künstlichen Intelligenz im Bereich der Sprachen und der Wearable-Technologie. Eine große Neuheit wird bald zu einem Phänomen werden: Die intelligenten Kopfhörer. Es handelt sich um drahtlose Kopfhörer, die sofort (in ein bis zwei Sekunden) und normalerweise über das Internet, das übersetzen was Ihr Gesprächspartner in einer anderen Sprache sagt. Angesichts einer globalisierten Welt, in der der Austausch und die Mobilität weiter zunehmen, muss der Bereich des Dolmetschens auf eine wachsende Nachfrage reagieren. Doch, wäre dies nicht zu schön um wahr zu sein? Das Eintauchen in die Welt dieser intelligenten Kopfhörer hat es uns ermöglicht, ihre unglaublichen Leistungen und den langen Weg der noch vor ihnen liegt zu entdecken.


 

Werbefilm „Mars, truly innovative Wireless earbuds“

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Was ist ein „intelligenter Kopfhörer“?

Wir müssen gestehen, dass wir bevor wir uns mit dem Konzept dieser Kopfhörer befasst haben, dachten, dass es sich mehr oder weniger um einen maschinellen Übersetzer handelt, ein Werkzeug, das nützlich sein kann, aber viele Fehler aufweist, da es mit den gleichen Problemen zu kämpfen hat. Die Schwierigkeit bei der Erstellung eines solchen Geräts ist jedoch aufgrund der Vielzahl der beinhalteten Technologien viel größer: Neben der Entwicklung eines zuverlässigen Übersetzungstools muss man ein Spracherkennungssystem hinzufügen, eine Sprachsynthese erstellen und ein winziges, attraktives und ergonomisches Gerät entwickeln.

Das Konzept ist folgendes: Man hat Kopfhörer (drahtlos oder nicht) im Ohr, die das was einem gesagt wird, simultan und automatisch verdolmetschen. In gewisser Weise, ein persönlicher Dolmetscher. Zwei Personen, die über diese Kopfhörer verfügen, können sich somit ohne Sprachbarrieren in ihrer jeweiligen Sprache unterhalten. Um diese Technologie einsetzen zu können, ist es bei einigen Kopfhörern wie dem Pilot notwendig, eine mobile App herunterzuladen, die zwischen den Kopfhörern und dem maschinellen Übersetzungstool vermittelt.

Aus welchen oder in welche Sprachen übersetzt werden kann, hängt vom Modell ab. LINE Mars, das im Januar auf der CES vorgestellt wurde, verfügt über zehn Sprachen. Pilot Translation Earpieces, von Warverly Labs, versteht Englisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch, Arabisch, Chinesisch (Mandarin), Deutsch, Griechisch, Hindi, Japanisch, Koreanisch, Polnisch, Russisch und Türkisch. Google Pixel Buds übersetzt schon in über 40 Sprachen.
 

Werbefilm „Pilot Translatiom Earpiece, Waverly Labs“

Werbefilm „Pilot Translatiom Earpiece, Waverly Labs“
 

Wie ist der Übersetzungsprozess des Kopfhörers?

Laut Nicholas Ruiz, Übersetzungsforcher bei Weverly Labs, können Spracherkennungssysteme 90 % dessen erkennen, was Menschen sagen. Der Forscher warnt jedoch: In einem heiklen Moment, in dem die Übersetzung viel Präzision erfordert, sind Maschinen nicht zuverlässig. Dies führt uns zu einer grundlegenden Frage: Welches Übersetzungsverfahren wird für diese Kopfhörer angewandt?

Die Übersetzung erfolgt in drei Schritten: Spracherkennung, automatische Übersetzung und Sprachsynthese. Die automatische Spracherkennung transkribiert die vom Mikrofon aufgenommenen Laute in Wörter. Diese Wörter werden dank einer Maschine übersetzt, deren Betrieb den Techniken und Algorithmen im Bereich des deep learnings gehorcht, genau wie das Programm DeepL. Die übersetzten Wörter verwandeln sich dann dank eines Sprachsynthesizers, der versucht, die melodische Kurve der Sprecher nachzuahmen, in Laute. Bei dem Mars der LINE Corporation erfolgt die Übersetzung durch den Papago-Übersetzer von Naver, eine Alternative zu Google Translator, die ebenfalls Prognoseverfahren verwendet.

Bei den Google Pixel Buds wird die interne Datenbank von Google Translator verwendet. Diese ist immer zuverlässiger da sie täglich mit neuem Inhalt perfektioniert wird: Bücher, Schreiben internationaler Organisationen, Websites, usw. Google sammelt Millionen von übersetzten Texten (von menschlichen Übersetzern) und das System vergleicht die Texte und interpretiert, nach Muster, welches Segment zu welchem gehört. Es ist reine Statistik, aber mit einem täglichen Zulauf von einer Milliarde Übersetzungen funktioniert es „mehr oder weniger“ gut. Dieses Tool wurde ohne die Hilfe eines Linguisten entwickelt, das Vertrauen wurde allein in die Maschine gesetzt. Um den Prozess zu vereinfachen und wirtschaftlicher zu gestalten, durchläuft jede Sprache erst das Englische bevor sie in eine andere Sprache übersetzt wird, daher die zahlreichen Grammatikfehler, vor allem zwischen den verschiedenen romanischen Sprachen.

Probleme und Herausforderungen der intelligenten Kopfhörer beim Übersetzen

Werbebild Google Pixel Buds

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Bei der Entwicklung dieser Geräte, deren erste Modelle 2017 verkauft wurden, haben die Entwickler die Fortschritte der Spracherkennung und der automatischen Übersetzung genutzt, standen jedoch vor mehreren Herausforderungen.

Die erste Schwierigkeit, mit der sie konfrontiert wurden, bestand darin, die Sätze klar aufzuzeichnen und den Lärm anderer auszublenden, da dieser die Spracherkennung verwirrt und eine fehlerhafte Übersetzung erzeugt. Die meisten dieser Kopfhörer sind mit geräuschreduzierenden Mikrofonen ausgestattet, aber trotzdem erfassen sie oft auch Hintergrundgeräusche.

Ein weiteres Problem für die Nutzer ist die Internet-Verbindung, das Smartphone muss permanent mit einem Netzwerk verbunden sein, sonst funktioniert de App nicht richtig. Im Ausland, wo man generell den meisten Übersetzungsbedarf hat, ist es kompliziert eine direkte und dauerhaften Verbindung an das WLAN oder das 3G/4G Netzwerk aufzubauen.

In einigen Fällen, wie bei dem Pilot Translation Earpieces, muss jeder Nutzer eine App herunterladen um die Kopfhörer benutzen zu können. Dies ist im Ausland nicht wirklich realistisch, wenn man bedenkt, dass man sein Kopfhörer an jeden weiterreichen muss (abgesehen von dem hygienischen Aspekt) und jeden darum bitten muss sich die App auf seinem Smartphone herunterzuladen, um mit einem reden zu können.

Andererseits stößt man immer noch auf das Problem der Übersetzungsqualität. Die Softwares der maschinellen Übersetzung haben in den letzten Jahren unglaubliche Fortschritte gemacht, schaffen es jedoch immer noch nicht an einige Inhalte zu gelangen. Die kulturellen Referenzen, die Redewendungen, die Regionalismen, der Humor oder die Witze, die Ausdrücke, usw. sind unglaublich schwer zu übermitteln. Ein maschineller Übersetzer kann auch keine gute Übersetzung für ein Gedicht oder einen Roman erstellen, in dem jedes Wort wichtig ist und die Melodie genauso viel Bedeutung erlangt wie der Sinn. Die Betonung ist ein grundlegender Bestandteil der Dialoge und konnte bis jetzt noch nicht durch eine Maschine imitiert werden.
 

Probleme und Herausforderungen der intelligenten Kopfhörer beim Übersetzen
 

Der Schüssel zum Erfolg dieser Hersteller ist es, Dienstleistungen im Sprachenbereich anzubieten auf die man sich bei Reisen und beim Austausch von Ideen verlassen kann. Wer viel beginnt, zu nichts es bringt, diese ist auch für menschliche Übersetzer die goldene Regel. Es gibt noch einen anderen Übersetzer von Wearable: Ili, dessen Strategie darin besteht seine Funktionen einzuschränken. Dieses winzige Teil, das man sich um den Hals hängt oder in der Hand trägt und, dass ohne Internetverbindung funktioniert, beinhaltet die wichtigsten Sätze und Fragen die man bei Reisen benötigt. Ein linguistisches Labor hat dazu eine Übersetzungsdatenbank erstellt, wodurch zuverlässige Übersetzungen entstehen. Das interessanteste an diesem Objekt ist, dass es über seine Einschränkungen informiert: Man muss einfache Fragen stellen, kurze Sätze bilden und umgangssprachliche oder technische Wörter meiden.
 

Probleme und Herausforderungen der intelligenten Kopfhörer beim Übersetzen
 

Einen Dolmetscher durch die Wearable Technologie zu ersetzen ist noch weit davon entfernt sich in eine Realität zu verwandeln. Die Kopfhörer müssten stark verbessert werden um einen guten und effizienten Service anbieten zu können, doch die Hersteller haben den Weg bereits angetreten.

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Elodie Anthian

Sie sudierte Hispanische Philologie an der Universität von Toulouse (Frankreich) und einen Master in Übersetzung und kultureller Vermittlung (EN-ES>FR) an der Universität von Salamanca (Spanien). Derzeit arbeitet sie als Projektmanagerin bei AL Übersetzung.