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Wussten Sie, dass eine absolute Zweisprachigkeit unmöglich ist?

Jeder, der der mit zwei oder mehr Sprachen arbeitet, träumt davon, zweisprachig zu sein. In einigen Ländern wie England bedeutet der Begriff, dass eine Person zwei Sprachen spricht, unabhängig davon, auf welchem Niveau er diese beherrschen.

Obwohl die vom Duden vorgeschlagene Definition der englischen Bedeutung ähnlich ist, gilt in Deutschland eine Person als zweisprachig, wenn sie in zwei Sprachen über die Sprachkompetenz eines Muttersprachlers verfügt.

Es gibt einige Parameter, die uns helfen festzustellen, ob eine Person unter diesem Gesichtspunkt zweisprachig ist oder nicht. Fangen wir mit dem Akzent an. Obwohl der Akzent durch die Zugehörigkeit einer bestimmten Region oder Medium beeinflusst wird, sind eine falsche Aussprache, eine seltsame Intonation oder eine singuläre melodische Kurve meist Symptome eines nicht Muttersprachlers. Fast jeder wäre in der Lage, ein Chinesen zu identifizieren der Deutsch spricht, da Chinesisch eine Sprache ist die sich stark vom Deutschen unterscheidet und bei der die Tonalitäten eine wesentliche Rolle was die Bedeutung der Wörter angeht spielen. Tatsache ist, dass eine adäquate Prosodie meist mit dem frühen Alter zusammenhängt, in dem man Kontakt mit einer Sprache aufnimmt. Daher haben Kinder, deren Eltern ausgewandert sind und zu Hause immer in ihrer Muttersprache gesprochen haben, keine besondere Diktion. Sie sind aber auch nicht zweisprachig, wie wir gleich sehen werden. Ihre Sprachkompetenz ist in der Regel viel geringer als die eines Muttersprachlers.

Perfekte Zweisprachigkeit ist eine Chimäre.

Eine zweisprachige Person sollte in der Lage sein, in einer Vielzahl von Situationen in zwei Sprachen zu kommunizieren, sei es durch Lesen, Schreiben, Sprechen oder Hören. Die Vielfalt an Situationen, in denen wir interagieren müssen, erschwert und macht es uns unmöglich, identische Sprachkenntnisse zu erlangen.

Nehmen wir als Beispiel ein Kind von Spaniern, die nach Frankreich, Deutschland oder Schottland ausgewandert sind. Es würde zu Hause Spanisch sprechen, aber die Schule in der Landessprache besuchen. So könnte er mit einem authentischen einheimischen Akzent ein Gespräch im familiären Umfeld oder im täglichen Leben, in einem umgangssprachlichen oder informellen Register führen. Im Arbeits- oder Wissenschaftsbereichs hätte es nur auf Französisch, Deutsch oder Englisch gelernt. Die Teilnahme an einem Gespräch auf Spanisch über Politik, Technologie oder Wissenschaft wäre daher aufgrund des fehlenden Wortschatzes in diesen Bereichen recht kompliziert.

Wenn jedoch ein Ausländer, ein Franzose, ein Deutscher oder ein Engländer, aufgrund seines Spanischstudiums an der Universität über akademische Kenntnisse verfügt, wird sein Sprachregister sehr unterschiedliche kontextuelle und linguistische Variablen aufweisen. Dessen Ausdrucksweise wird formaler und spezialisierter sein, aber es wird ihm an mündlicher Gewandtheit, informellen Gesprächsressourcen und Referenzen zur Populärkultur mangeln. Darüber hinaus wird sein Akzent höchstwahrscheinlich verraten, welche seine Muttersprache ist.

Man schätzt, dass ein Spanier nur zwischen 300 und 500 der 300.000 Wörter, die die Sprache aufweist, verwendet. Wenn es nach Wortanzahl ginge, wäre es nicht so schwierig, mehrere Sprachen zu lernen und zweisprachig zu werden. Wir können dann zu dem Schluss kommen, dass der Erwerb des gesamten soziokulturellen Wissens, das notwendig ist, um die Konnotationen der Sprache zu verstehen, die Beherrschung der gesprochenen und geschriebenen Sprachregister und der Erwerb der prosodischen Flexibilität in zwei Sprachen sich als eine endlose Aufgabe erweist.

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José Gambín

Er studierte Biowissenschaften an der Universität in Valencia und Übersetzen und Dolmetschen an der Universität in Granada. Heutzutage arbeitet er als Projektmanager, Layouter, Freiberufler und interner Übersetzer. Seit 2002 ist er Gründungspartner von AL Übersetzung wo er als Vertriebs- und Marketingdirektor tätig ist.

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