Warum ist Arabisch eine der schwierigsten Sprachen für Übersetzer?

Mit mehr als 400 Millionen Sprechern gehört Arabisch zu den meistgesprochenen Sprachen der Welt. Es ist außerdem Amtssprache in über 20 Ländern, von Mauretanien über Ägypten bis nach Oman. Spricht man jedoch in der Subsahara und in Syrien dasselbe Arabisch? Die Antwort ist ganz klar nein. Arabisch ist eine vielseitige Sprache, die sich in zahlreiche Dialekte spaltet. Mit seinen sprachlichen Varietäten, einer spezifischen Schrift, einer reichen Morphologie und tief verankerten kulturellen Referenzen entzieht sich Arabisch jeder wörtlichen Übersetzung – ein anspruchsvolles, wenn nicht gar unmögliches Unterfangen.
Das Ergebnis: Obwohl ein Text sprachlich korrekt ist, kann er dennoch unidiomatisch, holprig oder für die Zielgruppe ungeeignet sein. Mit diesem Problem sehen sich viele Unternehmen konfrontiert, die sich in diesem Markt etablieren möchten. Die Wahl zwischen Hocharabisch und Dialekten ist oft verwirrend und schwer zu treffen.
Die Herausforderung der Übersetzung des Arabischen: eine vielfältige Sprache
Eine der ersten Schwierigkeiten liegt in einer oft wenig bekannten Tatsache: Arabisch ist keine einheitliche Sprache. Man spricht von Diglossie: Das bedeutet, es existiert eine breite Kluft zwischen der formellen Schriftsprache und den im Alltag gesprochenen Varianten. Zu den sprachlichen Anforderungen kommen oft Vorgaben für Layout und Darstellung hinzu, besonders im Web und in Anwendungen.
In der Praxis unterscheidet man vor allem das moderne Hocharabisch und eine Reihe regionaler Dialekte. Hocharabisch wird in der Presse, in institutionellen Dokumenten, in Bildungsinhalten und in einem großen Teil der geschriebenen Texte verwendet. Die Dialekte hingegen dominieren im Alltag, in informellen Gesprächen, in der Werbung und zunehmend auch in digitalen Inhalten.
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Diglossie und Anpassung an die Zielgruppe: der wahre Ausgangspunkt des Projekts
Diglossie ist eine soziolinguistische Situation, in der zwei Sprachvarietäten innerhalb derselben Gemeinschaft koexistieren, wobei die eine in formellen und prestigeträchtigen Kontexten verwendet wird und die andere in informellen und alltäglichen Situationen. Dieselbe Botschaft wird je nach Land, Medium und Ziel des Inhalts nicht auf dieselbe Weise formuliert, so erfordern zum Beispiel ein regulatorischer Hinweis, ein Blogartikel, ein Werbeinhalt oder eine Benutzeroberfläche unterschiedliche Grade an Formalität.
Das bedeutet, dass eine wörtliche Übersetzung grammatikalisch korrekt sein kann und im realen Kontext dennoch ihren Zweck nicht erfüllt. So kann zum Beispiel ein zu standardisierter Text in einem Marketingumfeld starr wirken, während umgekehrt ein zu umgangssprachlicher Ton in einem institutionellen oder juristischen Kontext unpassend wäre.
Eine Schrift mit technischen Herausforderungen
Arabisch wird von rechts nach links geschrieben. Dieser Aspekt, der oft mit dem englischen Kürzel RTL (Right-to-Left) zusammengefasst wird, verändert die Anzeigelogik im Web, in Anwendungen und auf Benutzeroberflächen. Menüs, Schaltflächen, Formulare, Tabellen und visuelle Orientierungselemente müssen angepasst werden.
Wie die MDN-Dokumentation hervorhebt, erfordert Arabisch im Web eine spezifische Steuerung der Anzeigerichtung. Die Lokalisierung beschränkt sich daher nicht nur auf die Wortwahl: Sie betrifft auch die Struktur und Lesbarkeit der Benutzeroberfläche für eine einwandfreie Nutzererfahrung.
Hinzu kommt die kontextabhängige Natur der arabischen Buchstaben: Ein und derselbe Buchstabe nimmt je nach seiner Position im Wort eine andere Form an. Bei falscher Konfiguration des Systems, der Schriftart oder des Layouts kann also die Darstellung fehlerhaft werden.
Nehmen wir den Buchstaben ع , der je nach seiner Position im Wort unterschiedlich dargestellt wird: isoliert ع, am Anfang عـ, in der Mitte ـعـ oder am Ende ـع ; eine fehlerhafte technische Konfiguration kann daher die Form der Buchstaben verfälschen und den arabischen Text schwer oder sogar unmöglich lesbar machen. Die Empfehlungen des World Wide Web Consortiums (W3C) zum Layout des Arabischen zielen genau darauf ab: Best Practices festlegen, um eine originalgetreue Darstellung der Schrift zu gewährleisten (Handhabung von Ligaturen, Leserichtung oder Ausrichtung). Das W3C erinnert außerdem daran, dass Internetauftritte auf Arabisch oder in anderen RTL-Schriften die Textrichtung korrekt handhaben müssen, vor allem wenn sie die spezifische Schrift, Zahlen und Elemente in Lateinschrift mischen. Bei der Lokalisierung ist dieser Punkt entscheidend, um die Lesbarkeit von Benutzeroberflächen und mehrsprachigen Inhalten zu gewährleisten.
Für digitale Projekte ist es daher sinnvoll, die Lokalisierungsphase frühzeitig einzuplanen. In diesem Zusammenhang ermöglicht ein Service für die Übersetzung von Websites von Anfang an den kohärenten Umgang mit Sprache und Darstellung.
Reiche Morphologie bedeutet Risiko für wörtliche Übersetzungen
Arabisch beruht auf einem sehr strukturierten morphologischen System, das größtenteils auf Wortwurzeln (meist 3 Buchstaben) und Ableitungsmustern beruht, aus denen die Wörter gebildet werden. Eine grammatikalische, semantische oder stilistische Nuance kann daher im Wort selbst enthalten sein. Deshalb funktioniert eine wörtliche Übersetzung nur selten gut: Die Bedeutung hängt nicht nur von den Wörtern ab, sondern auch von ihrer Form.
Zum Beispiel kann das Arabische ausgehend von der einfachen Wurzel ك-ت-ب (K-T-B), die die Grundbedeutung „schreiben“ trägt, Wörter wie „Buch“, „Schriftsteller“, „Büro“ oder „Bibliothek“ bilden. Jede Formvariation fügt dabei dem Wort selbst unmittelbar eine grammatikalische oder semantische Nuance hinzu.
In einer professionellen Arabisch-Übersetzung besteht das Ziel nicht darin, die Ausgangsform wiederzugeben, sondern die Botschaft – mitsamt ihrer Intention, ihres Sprachniveaus, ihrer Präzision und ihrer Wirkung auf den Leser. Eine im Lauf der französischen Fachkonferenz TALN (2013) veröffentliche Studie zeigt, dass sich der Wechsel zwischen Hocharabisch und Dialektarabisch nicht auf einen einfachen Wortaustausch beschränkt. Die Studie zeigt deutliche sprachliche Unterschiede auf, insbesondere auf lexikalischer und morphologischer Ebene, die die automatische Verarbeitung und die Übersetzung arabischer Dialekte erschweren. Diese Komplexität erklärt, warum eine maschinelle oder allzu wörtliche Übersetzung insbesondere bei Fachinhalten schnell an ihre Grenzen stößt, was Präzision, Natürlichkeit oder Relevanz angeht.
Hocharabisch oder doch Diealektarabisch?
Diese Frage stellt sich in fast allen Projekten. Für formelle, institutionelle oder dokumentarische Inhalte bleibt das moderne Hocharabisch in der Regel die sicherste Wahl. Für Marketingkommunikation, soziale Netzwerke, den Kundenservice oder bestimmte dialogorientierte Benutzeroberflächen kann dagegen ein arabischer Dialekt natürlicher und ansprechender sein.
Das Hauptproblem ist, dass die Dialekte je nach Region Unterschiede aufweisen. So wird beispielsweise eine im Maghreb verwendete Formulierung in der Golfregion oder der Levante nicht immer gleich aufgenommen. Wie die Elitehochschule ENS de Lyon hervorhebt, bringt das Übersetzen rund um die arabische Sprache spezifische sprachliche, kulturelle und soziale Herausforderungen mit sich. Für die Lokalisierung bestätigt das, wie wichtig es ist, Register, Zielpublikum und Verbreitungskontext von Beginn des Projekts an zu berücksichtigen.
In einer Software- oder App-Umgebung muss diese sprachliche Wahl mit der Benutzeroberfläche, den Text-Strings und den Integrationsvorgaben koordiniert werden. In diesem Rahmen ist ein Service für professionelle Softwareübersetzung besonders sinnvoll.
Die Bedeutung des kulturellen Kontexts
Die Schwierigkeit endet nicht bei den sprachlichen Aspekten. Kulturelle Referenzen, Höflichkeitsformen, unausgesprochene Bedeutungen, Humor und bestimmte Konnotationen können je nach Zielpublikum voneinander abweichen. Ein technisch korrekter Text kann sein Ziel daher trotzdem verfehlen, wenn er nicht das richtige Register verwendet oder die Erwartungen der Leserschaft ignoriert.
Diese Dimension ist besonders sensibel bei Markentexten, Marketingkampagnen und verkaufsorientierten Botschaften. Wenn Sie mehr über Zusammenhänge zwischen sprachlicher Vielfalt, Technologie und Inhaltsanpassung wissen möchten, lesen Sie doch diesen Blogartikel über Minderheitensprachen und künstliche Intelligenz an.
Qualitätssicherung bei einer professionellen Arabisch-Übersetzung
Die zuverlässigste Methode besteht zunächst darin, das Zielland, das Verbreitungsmedium und das Zielpublikum festzulegen. Anschließend gilt es festzulegen: welche Arabischvarietät erwartet wird, wie formal der Ton sein soll, welche Terminologie einzuhalten ist und welche Layoutvorgaben gelten. Diese Elemente müssen im Briefing stehen, denn sie bestimmen das Endergebnis.
Außerdem empfiehlt es sich, ein Glossar, ein Translation Memory (TM) und als letzten Schritt eine menschliche Überprüfung einzurichten. Bei digitalen Projekten muss die Qualität nicht nur im Vergleich mit den Ausgangsdateien, sondern auch in der Ansicht der finalen Benutzeroberfläche überprüft werden. Oft treten Probleme in Bezug auf Bedeutung, Format, Ausrichtung oder Darstellung erst in dieser Phase auf.
Fazit
Arabisch ist eine der am schwierigsten zu übersetzenden Sprachen, weil es als komplexes Ganzes behandelt werden muss und nicht als eine einzige homogene Sprache. Diglossie, dialektale Vielfalt, RTL-Schrift, technische Anforderungen und die kulturelle Dimension greifen in fast allen Projekten ineinander.
Der richtige Ansatz besteht darin, Ihre Ziele von Anfang an zu klären und die Übersetzung dann Spezialisten anzuvertrauen, die in der Lage sind Sprache, Register und Nutzungskontext korrekt zu übertragen. Das ist der beste Weg um Inhalte zu erhalten, die verlässlich, natürlich und für Ihr Publikum wirklich geeignet sind.
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Ahlaam Abdirizak absolviert derzeit ein Masterstudium im Bereich International Business Development in Angers, Frankreich. Bei AbroadLink ist sie derzeit als Marketingassistentin tätig. Sie ist dreisprachig, hat Wurzeln, die von Afrika bis Europa reichen, und verbindet ihren multikulturellen Hintergrund mit ihrer Leidenschaft für digitales Marketing. Als von Natur aus kreativer Mensch hat sie eine besondere Vorliebe für die Erstellung mehrsprachiger Inhalte.


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