Lokalisierung und Transkreation: zwei unterschiedliche Strategien, zwei ergänzende Ziele

Der Slogan „Got Milk?“ einer bekannten US-amerikanischen Werbekampagne wäre als wortwörtliche Übernahme im spanischsprachigen Raum eher als „Hast du (Mutter)milch?“ verstanden worden. Das ist nur ein Beispiel, um die Grenzen der wörtlichen Übersetzung aufzuzeigen. Wenn sich ein Unternehmen international orientiert, wird es mit einer einfachen Wort-für-Wort-Übersetzung seiner Inhalte keinen Erfolg haben. Sie müssen so angepasst werden, dass sie in einem anderen kulturellen und sprachlichen Kontext verstanden werden, die gleiche Relevanz haben, sowie die gleiche Wirkung beim Zielpublikum hervorrufen. Vor diesem Hintergrund stehen zwei Ansätze, die häufig verwechselt werden: Lokalisierung und Transkreation. Obwohl beide darauf abzielen, eine Botschaft an ein ausländisches Publikum anzupassen, beruhen sie weder auf denselben Methoden noch auf denselben Zielsetzungen. Wenn man sie zu unterscheiden weiß, kann man je nach Art der Inhalte und der angestrebten Wirkung die richtige Strategie wählen.
Lokalisierung oder Transkreation: Was ist der Unterschied und wie lassen sie sich voneinander abgrenzen?
Lokalisierung bezeichnet die Anpassung von Inhalten an einen bestimmten sprachlichen und kulturellen Kontext, damit sie in diesem verständlich, kohärent und funktional sind. Sie beschränkt sich nicht auf die bloße Übersetzung von Wörtern, sondern umfasst auch die Anpassung von Formaten, Maßeinheiten, kulturellen Bezügen und technischen Elementen.
Dieser Ansatz zielt in erster Linie auf Zugänglichkeit und Nutzererfahrung ab. Ziel ist es, sicherzustellen, dass die Zielgruppe die Inhalte mühelos nutzen kann. Im digitalen Bereich ist sie eng mit den Best Practices der Internationalisierung und Empfehlungen des World Wide Web Consortiums (W3C) zur Anpassung von Benutzeroberflächen verknüpft.
Die Transkreation hingegen folgt einer anderen Logik. Eine Botschaft wird von ihrer ursprünglichen Intention her neu aufgebaut, nicht von ihrer Formulierung. Ziel ist es, bei der Zielgruppe dieselbe Wirkung wie im Originalkontext zu erzielen.
So können Formulierungen vollständig neu kreiert werden, um beim Publikum dieselbe Wirkung zu erzielen. Transkreation wird besonders häufig in Bereichen wie Werbung, Branding, Slogans oder Kommunikationskampagnen eingesetzt.
Wie bestimmt man den passenden Ansatz?
Die Wahl zwischen Lokalisierung und Transkreation hängt in erster Linie vom Ziel des Inhalts ab.
Dienen Inhalte der Information und Unterstützung des Nutzers oder sollen sie ihn bei einer Handlung anleiten, wird in der Regel die Lokalisierung bevorzugt. Das betrifft insbesondere Websites, Apps, Softwareoberflächen, Formulare, Support-Seiten oder funktionale Meldungen. So wird beispielsweise eine Software, die englischsprachige Nutzer mit „You“ anspricht, für den deutschen Markt mit dem förmlichen „Sie“ lokalisiert.
Umgekehrt ist Transkreation besser geeignet, wenn Inhalte überzeugen, Emotionen auslösen oder das Markenimage stärken sollen. Sie wird häufig für Werbekampagnen, Slogans, Social-Media-Inhalte, Markenbotschaften oder Storytelling-Elemente genutzt. Wenn Sie mehr über Transkreation erfahren möchten, empfiehlt sich der Artikel „4 Unterschiede zwischen Marketingübersetzung und Transkreation“, der die hier erwähnten Beispiele gut ergänzt und dabei hilft, den erwarteten Grad der Umformulierung einzuordnen. So wurde beispielsweise der Slogan von KFC „Finger Lickin’ Good“ in einigen Märkten komplett neu kreiert (z. B. China), um eine nicht kulturell angemessene Übersetzung zu vermeiden und seine marketingtechnische Wirkung zu bewahren.
In diesem Kontext beschränkt sich das Ziel nicht nur auf das Verständnis der Botschaft, sondern auch auf die Wirkung, die beim Zielpublikum ausgelöst werden soll.
Einige konkrete Beispiele
Ein Produktdatenblatt für eine E-Commerce-Website erfordert in der Regel Lokalisierungsarbeit. Währungen, Datumsangaben, Maßeinheiten, Größen, Lieferinformationen, Rückgabebedingungen und das entlang der gesamten Customer Journey verwendete Vokabular müssen angepasst werden. Ziel ist es, dem Nutzer die Verständlichkeit des Angebots zu gewährleisten und ein vertrauensvolles Umfeld zu schaffen. Eine gute Lokalisierung reduziert Missverständnisse, reduziert Anfragen an den Kundenservice und kann die Konversionsrate verbessern. In diesem Rahmen werden häufig zwei konkrete Dienstleistungen in Anspruch genommen: Marketingübersetzung (zur Anpassung von Websites, Kampagnen und kommerziellen Inhalten) und Softwareübersetzung (zur Lokalisierung von Benutzeroberflächen, Anwendungen und digitalen Produkten).
Ob Werbeslogan, Aufhänger oder ganze Marketingkampagne – oft ist Transkreation gefragt. Eine wörtliche Übersetzung kann zwar grammatikalisch korrekt, aber gleichzeitig aus Marketingsicht wenig wirksam sein. Transkreation schafft neue sprachliche Varianten, ohne die Kernaussage und den Ton der ursprünglichen Botschaft aus den Augen zu verlieren. Dafür ist ein präzises Briefing nötig, weil die kreative Freiheit gelenkt werden muss: Wer will wem welche Botschaft übermitteln? Und mit welcher Emotion, unter welchen rechtlichen, regulatorischen oder terminologischen Vorgaben?
Warum ist eine einfache Übersetzung zum Scheitern verurteilt?
Viele Projekte haben nicht aufgrund einer fehlerhaften Übersetzung keinen Erfolg, sondern weil sie nicht zum Kontext passt. Aspekte wie ein ungewohntes Datumsformat, eine unpassende Maßeinheit, inkonsistent verwendete Begriffe oder eine zu wörtliche Übersetzung können irritieren und den Eindruck mangelnder Professionalität erwecken. Bei sensiblen Inhalten wie Rücksendungen, Garantien, Gesundheitsthemen oder rechtlichen Fragen kann bereits eine missverständliche Formulierung Risiken mit sich bringen.
Auch der Bund französischer Übersetzer (STF) betont, dass sich Lokalisierung nicht auf die Übersetzung eines Textes beschränkt, sondern ein Produkt, insbesondere ein IT-Produkt, an eine andere Sprache und einen anderen Markt anpassen soll. Das verdeutlicht die Bedeutung des Nutzungskontexts: Ein lokalisierter Inhalt muss in seiner realen Umgebung funktionieren, nicht nur auf sprachlicher Ebene. Zur Strukturierung eines Qualitätsprozesses stützen sich einige Unternehmen auf offizielle Standards: Die Norm ISO 17100 beispielsweise beschreibt Anforderungen an Übersetzungsdienstleistungen (Ressourcen, Korrekturlesen, Rückverfolgbarkeit). Konkret geht es also nicht nur darum einen übersetzten Text zu liefern, sondern einen überprüften und lokal validierten Inhalt.
Bei digitalen Produkten beginnt die Lokalisierung oft schon vor der eigentlichen Übersetzung — etwa bei der Verwaltung von Textbausteinen, der Trennung von Inhalt und Code, der Anpassung von Formaten oder bei Tests im Anwendungskontext. Laut MDN Web Docs, einer umfangreichen Informationsquelle für Webtechnologien, besteht Lokalisierung darin, eine Software-Benutzeroberfläche an eine bestimmte Kultur anzupassen. Sie beschränkt sich also nicht auf die Übersetzung von Texten, sondern berücksichtigt auch den Nutzungskontext, die Benutzeroberfläche, die Formate sowie die spezifischen Erwartungen des Zielmarkts. Diese Elemente sind entscheidend für den Umgang mit mehreren Sprachen, regelmäßigen Aktualisierungen und Anforderungen der Benutzeroberfläche.
Auswirkungen auf den internationalen Markt
Auf einem internationalen Markt werden Ihre Inhalte nicht nur verstanden, sondern auch mit denen lokaler Anbieter verglichen. Eine hochwertige Lokalisierung ist somit entscheidend, da sie für reibungslose Abläufe sorgt, den Kaufprozess erleichtert und das Vertrauen stärkt. Laut der E-Commerce Plattform Shopify ist die Anpassung eines Onlineshops an die jeweiligen Zielmärkte unverzichtbar, wenn Produkte international vertrieben werden sollen. Dabei spielen insbesondere Sprache, Währung, Preisgestaltung und das angebotene Sortiment eine entscheidende Rolle. Diese Anpassung trägt dazu bei, das Einkaufserlebnis für lokale Nutzer natürlicher zu gestalten.
Im Marketing liegt der Fokus zunehmend auf der individuellen Konzeption von Inhalten für jeden Markt statt auf nachträglichen Übersetzungen. Laut der Übersetzungsplattform Phrase umfasst internationales Marketing sowohl die Anpassung von Marketingmaterial, als auch von Kommunikation, Sprache und kulturellen Aspekten, um die Erwartungen der Zielgruppe besser zu erfüllen. In der Praxis geht es dabei nicht um ein reines Übersetzen, sondern um die Anpassung der Botschaft an Kontext, Erwartungen und den Reife des jeweiligen Marktes.
Welche Vorgehensweise die richtige ist, lässt sich am besten anhand Ihrer Leistungskennzahlen erkennen. Ein Rückgang der Konversionsrate oder häufige Missverständnisse können auf ein Lokalisierungsproblem hinweisen, während Kampagnen, die zwar inhaltlich klar, aber wenig erfolgreich sind, auf einen Bedarf an Transkreation hindeuten. Ziel ist es, eine Methode zu definieren, die zu Ihren Geschäftszielen passt: Inhalte, die für die Nutzung optimiert werden, von solchen zu unterscheiden, die gezielt auf maximale Wirkung hin konzipiert werden müssen.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Fokus der Lokalisierung in erster Linie auf Nutzererfahrung und lokaler Kohärenz liegt, während Transkreation auf Wirkung und Intention abzielt. Stellen Sie sich bei Ihrer Entscheidung vor allem die Frage, ob Ihr Inhalt nur funktionieren oder auch begeistern soll. In den meisten Projekten wird das beste Ergebnis durch einen hybriden Ansatz geliefert, der die Lokalisierung der Basisdokumentation mit der Transkreation der Schlüsselbotschaften kombiniert. So werden Nutzerpfad als auch Marketing berücksichtigt.
Und wenn Sie einen klaren Ausgangspunkt brauchen, um die Rahmenbedingungen Ihres Projekts festzulegen (Sprachen, Volumen, Fristen, Anpassungsgrad), sollten Sie ein professionelles Übersetzungsbüro beauftragen, das sich an Ihre Zielmärkte und Ihre Anforderungen anpasst. Das erleichtert in der Regel die schnelle Abstimmung zwischen Briefing und Deliverables, insbesondere wenn mehrere Teams involviert sind.
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Ahlaam Abdirizak absolviert derzeit ein Masterstudium im Bereich International Business Development in Angers, Frankreich. Bei AbroadLink ist sie derzeit als Marketingassistentin tätig. Sie ist dreisprachig, hat Wurzeln, die von Afrika bis Europa reichen, und verbindet ihren multikulturellen Hintergrund mit ihrer Leidenschaft für digitales Marketing. Als von Natur aus kreativer Mensch hat sie eine besondere Vorliebe für die Erstellung mehrsprachiger Inhalte.

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